23/12/2006

Verkehrschaos am Himmel über Europa

Weltweiter Streik der Piloten und Fluglotsen droht zum Jahreswechsel

Von Claude Michael Jung

Ohne Pilotenschein, schlecht beleuchtet und ständig überladen sind sie derzeit noch immer am Himmel über Europa unterwegs. Fliegende Weihnachtsmänner mit ihren teilweise uralten Rentierschlitten. Ohne TÜV und international gültige Kennzeichen, lassen sie alljährlich Flugpläne zur Makulatur werden. Beinahezusammenstöße und gewagte Ausweichmanöver bringen erfahrene Piloten und Fluglotsen nahe an den Rand des Wahnsinns. Sicherheitsexperten warnen vor Anschlägen aus der Luft mit sprengstoffbeladenen Rentierschlitten und fordern ein Flugverbot für Santa Claus, Nikoläuse und Weihnachtsmänner. Fliegendes Personal und Fluglotsen drohen mit einem weltweiten unbefristeten Streik falls die Missstände nicht unverzüglich beseitigt werden und die Politik ist wie immer ratlos.

Die Zwischenfälle häufen sich. Heute Morgen um 6.15 raste ein, mit einem Weihnachtsmann und zwei spärlich bekleideten Rauschgoldengeln besetzter Rentierschlitten im Schlingerkurs auf die catalanische Metropole Barcelona zu. Spanische Abfangjäger berichten, der Pilot sei vermutlich nach einer größeren Weihnachtsfeier in der Nähe von Palma de Mallorca gestartet. Er habe die Abfangjäger zu gewagten Flugmanövern gezwungen, ihnen den Stinkefinger gezeigt und sei danach im Tiefflug in Richtung der Pyrenäen verschwunden. Chaos auch im gesamten Luftraum über Großbritannien. Hier hat gleich eine gesamte Staffel fliegender Rentierschlitten für Luftalarm gesorgt. Queen Elisabeth II. und ihre Familie mussten noch im Nachthemd die Luftschutzbunker aufsuchen. Das britische Verteidigungsministerium meldet, die fliegenden Klapperkisten seien total überladen mit schottischem Whisky in der Nähe von Glasgow gestartet und die rot gekleideten Kaputzenmänner seien nicht in der Lage gewesen ihre überladenen Vehikel auf eine sichere Flughöhe zu bringen. Zeitweise bestand die Gefahr, dass die Towerbridge und Big Ben von ihnen gerammt werden könnten. Ein, von einem Rentier über Südengland mutwillig abgeworfenes Geweih sorgte für einen Massenkarambolage auf einer viel befahrenen Straße in der Nähe von Dover.

Besonders dramatisch ist die Situation derzeit im Luftraum über Deutschland. Zoll und Bundespolizei haben bereits kapituliert. Verteidigungsminister Franz Josef Jung fordert den Einsatz der Bundesluftwaffe gegen die massenhaft aus Osteuropa eindringenden Weihnachtsflieger. Wodka aus Polen und Russland, Millionen unversteuerter Zigaretten, unheimliche Gestalten vermutlich alle ohne Visa, dringen unkontrolliert in die deutsche Atmosphäre ein. Schneidige Politiker der großen Koalition fordern, für den Fall, dass die Grenzverletzungen nicht unverzüglich eingestellt würden, ab morgen früh 5.45 Uhr die roten Luftpiraten abzuschießen. Die Opposition rät zur Besonnenheit und dazu, den Spuk noch ein paar Tage lang auszusitzen. Danach werde sich die Angelegenheit von alleine in Luft auflösen. Derzeit tagt in Berlin der große Krisenstab unter der größten Merkelkanzlerin aller Zeiten und sucht verzweifelt nach einer Lösung.

Ein, mit sechs Personen besetzter und mit acht Rentieren bespannter Schlitten hat um die Mittagszeit die deutsch niederländische Grenze bei Aachen überflogen. Augenzeugen berichten das sowohl der rot gekleidete Pilot, als auch dessen Fluggäste völlig bekifft gewesen sein müssen. Winkzeichnen der Zöllner, die das Gefährt zur Landung aufforderten, währen im johlenden Gelächter der Flugreisenden untergegangen, wird weiter berichtet. Elche, statt Rentiere hat ein anderer Luftrowdy vor seinen fliegenden Schlitten gespannt und den Flugverkehr im gesamten Rhein Main Gebiet stundenlang zum Erliegen gebracht. Dabei habe der Weihnachtsmann Säcke mit Keksen und Nüssen, sowie hunderte Christbaumkugeln über den Abfertigungshallen abgeworfen.

In der saarländischen Gemeinde Großhumpendorf kam es ebenfalls gegen Mittag zu einem besonders dramatischen Vorfall. Ein offenbar stark alkoholisierter Nikolaus rammte hier bei einer Notlandung mehrere Fahrzeuge und brachte seinen Rentierschlitten erst nach mehreren hundert Metern vor der Theke eines Gasthauses zum stehen. Die Gäste flohen in Panik. Der Rotbeschürzte Kapuzenmann verlangt die Herausgabe sämtlicher Grogvorräte, erkundigte sich bei dem völlig konsternierten Wirt nach dem Weg zum Nordpol und setzte sodann unverfroren dessen Ehefrau einen exorbitanten Knutschfleck auf den Nabel. In Richtung Norden machte er sich dann im Nebel aus dem Staub. Einem Nervenzusammenbruch nahe, erstattete der Wirt bei der herbeigeeilten Ordnungsmacht Strafanzeige wegen Mundraubs.

Derweil melden Skandinvien, Russland, die USA, Canada und Australien ebenfalls zehntausende Verstöße gegen das Luftverkehrsrecht. Präsident Georg W. Bush hat angeordnet den gesamten Flugverkehr in den USA bis auf weiteres einzustellen. Auch die EU denkt über derartige Maßnahmen nach. Hier wird besonders vor der nachweihnachtliche Rückreisewelle der wilden, fliegenden Schlitten gewarnt. Urlaubsreisende die über den Jahreswechsel in den Süden wollen, sollten sicherheitshalber auf andere Verkehrsmittel als das Flugzeug zurückgreifen raten Experten. Die Gewerkschaft der fliegenden Weihnachtsmänner (GFW) dagegen fordert die Flugsaison ihrer Mitglieder bis über die Karnevalstage hinaus auszudehnen, ansonsten sei auch im Sommer mit spontanen Kundgebungen ihrer Mitglieder zu rechnen.

Au, den 23. Dezember 2006

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