vorab erschienen im link Saarecho 30/8/2006

Das Erbe der Tempelritter im Saarland (XI)

Wer von dem Pilz nascht, hat nie mehr Hunger

Weißer Templer wurde gestern in Garten unseres Saartire-Spezialisten Claude Michael Jung gesichtet

Pressemitteilung vom 30. August, 13 Uhr: Nach den ergiebigen Regenfällen der letzten Tage stehen die Waldpilze in den Startlöchern und somit bald auf der Speisekarte der Liebhaber. Um möglichen Pilzvergiftungen vorzubeugen, rät Pilzminister Josef Hecken sich vorher genau zu informieren. Im letzten Jahr gab es nämlich rund 20 Pilzvergiftungen im Saarland.

"Der weiße Templer ist wieder da". so schallte es am Mittag quer durch die Saargemeinde Großhumpendorf. In wenigen Sekunden war Ännchens Kneipe am Dorfbrunnen wie leergefegt. Im Rathaus flogen die Bleistiftspitzer in die Ecke, und so manches Abendessen bruzzelte alleine einem tragischen Ende entgegen. "Er ist wieder da, der Ruf, der ein Dorf in Windeseile auf die Beine bringt erschallt nur alle sieben Jahre, aber dann kann man die Uhr nach ihm stellen", brüllt der Großhumpendorfer Chronist, Studienrat Ernst Nonsens noch schnell, bevor er seine Beine in die Hand nimmt, um sich im Schweinsgalopp der Meute anzuschließen, die unterwegs zur Humpenburg hinauf ist.

Und dort steht er kerzengerade im Unterholz, direkt neben dem Burggraben, genauer gesagt am alten Angelsteg von Tempelritter Schlendrian dem Mächtigen. "Ja, er ist es, der weiße Templer ist wieder zurückgekehrt", raunt es durch die ehrfurchtsvoll drein blickende Menge. Majestätisch steht er da, jener friedensstiftende Pilz, der schon seit der Zeit der Tempel- und Humpenritter nur alle sieben Jahre einmal seinen Kopf aus der Erde reckt. "Kann man den Pilz auch essen", fragt neugierig Udo, der Enkel von Bürgermeister Edgar Lump. "Natürlich kann man den essen, du Vorwitznase", antwortet Opa Lump geduldig und meint noch bedeutungsvoll: "Wer vom weißen Templer nascht, hat danach nie wieder Hunger."

Erst einmal zu Pilzragout verarbeitet, entwickelt der weiße Templer seine volle friedensstiftende Wirkung. Über die Jahrhunderte hinweg hat er der saarländische Ritterschaft treue Dienste gegen Rivalen und auch so manches mal in Familienangelegenheiten geleistet. "Wer damals zum Pilzragout auf der Humpenburg eingeladen war, dem war hinterher ein prunkvolles Begräbnis und eine gute Reise ins Nirvana sicher", geht aus der Großhumpendorfer Chronik hervor. Die Liste derer, die die Qualitäten des "weißen Templers" genossen haben, ist lang. Schon ein kleines Viertelchen des weißen Templer hat Ritter Schlendrian genügt, um sich von seinem angetrauten Drachen Trulla, samt seiner Schwiegermutter Godzilla zu befreien. "Großkotz von Mainz" dagegen, einem niedrigen Adligen und Aufschneider, genügte schon eine Messespitze vom Pilz des himmlichen Friedens, um in seine Ahnengalerie einzuziehen.

In diesem Jahr wird der weiße Templer von La Rabiata, Bürgermeister Edgar Lumps liebender Ehefrau, mit einen funkelnagelneuen Küchenmesser geerntet. Danach bezieht der Pilz des immerwährenden Friedens ein eigens für ihn vorbereitetes Einmachglas, um auf seine kommende Aufgabe als Pilzragout zu warten. "Falls Angela Merkel mal auf die Idee kommt, sich mit George Bush zum Wildschweingrillen in Großhumpendorf einzuladen, werden wir wohl das Einmachglas öffnen müssen", sagte eine hochgestellte Großhumpendorfer Persönlichkeit, die verständlicherweise nicht namentlich genannt werden will.

GroßhumpendorfGeschichtenwww.saarlandbilder.net